Gribs-Konzept

Konzept mit Gribs

Fragen

4 Fragen zum Konzept

4.1 Die Idee der Arbeitszeitverkürzung ist nicht neu. Warum soll ausgerechnet dieses Konzept funktionieren?

  1. Warum hat es bisher nicht funktioniert?

Das Prinzip der Arbeitszeitverkürzung hat doch von 1850 bis 1975 wirksam die Massenarbeitslosigkeit verhindert (ansonsten hääten wir - bei
80-Stundenwoche und Kinderarbeit von 1860 - inzwischen mindestens 65% Arbeitslosigkeit)

2. Es gibt doch die Möglichkeit, die Arbeitszeit zu verkürzen. Warum macht das denn niemand?

Hat bisher ein Arbeitnehmer auf einen Teil seiner Arbeitszeit verzichtet, musste er in (fast) selbem Umfange auf Brutto- und dementsprechend auch auf
Nettolohn verzichten(, was er sich häufig nicht leisten konnte).

3. Warum soll die Idee der Arbeitszeitverkürzung in diesem Konzept künftig funktionieren?
Durch die Senkung der Lohnnebenkosten, die direkt an die einzelnen Arbeitnehmer weitergegeben werden, wird der Arbeitnehmer auf maximal 6,75 % seines
Nettolohns (s. 4.5) verzichten müssen. Umgekehrt erhöht sich der Nettolohn aber bei denjenigen, die durchschnittlich über 41,3% Steuern zahlen (Stand

September 2005).

4.2 Werden die Arbeitgeber nicht versuchen, dies zu verhindern?

Ich kann nicht in die Zukunft sehen, aber meiner Meinung nach überwiegen die positiven Aspekte dieses Konzepts - ausdrücklich auch für die Unternehmen -, was vor allem in den höheren Erträgen sichtbar wird. Das Hauptproblem, das die Unternehmer zur Zeit doch haben, sind nicht etwa die hohen (Personal-) Kosten, sondern die fehlenden Erträge. Dies liegt eben daran, dass die potentiellen Abnehmer/Käufer in eine unsichere Zukunft blicken, dementsprechend vorbeugend auf Konsum verzichten, bzw. sich finanziell nicht längerfristig binden möchten.

4.3 Würde dieses Konzept denn nicht bereits vorhandene Teilzeitbeschäftigte benachteiligen?

Ganz im Gegenteil! Diese würden in den Genuss oben aufgeführter Vorteile kommen. Schließlich muss man bedenken, dass diese sich von vornherein mit weniger Lohn zufrieden gegeben hatten. Die Teilzeit’ler könnten sich allerdings überlegen, ob sie den finanziellen Vorteil annehmen oder evtl. eine noch geringere Stundenzahl arbeiten wollen. (Geringfügig Beschäftigte, also alle nicht sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, hingegen sind von diesen Vorteilen ausgenommen).

4.4 Wo sind die Langzeitarbeitslosen, die aus der Arbeitslosenstatistik vor einigen Jahren entfernt wurden?

Diese sind nach wie vor natürlich noch existent (in unserem Konzept sind diese in den Ausgaben des Finanzamtes, nämlich als Sozialhilfeempfänger, vorhanden. Könnten diese auch in den Arbeitsmarkt zurückgeführt werden, würde dies eine weitere Arbeitszeitverkürzung bedeuten). Probieren Sie es aus! Sie müssen lediglich in der Excel-Tabelle (1.7) die Arbeitslosenzahl um (geschätzte) zwei Millionen erhöhen (und den Bruttolohn auf 858,34 Euro senken - vergessen Sie auch nicht, die Wochenarbeitszeit müsste dann um 17% - bei 40 Stunden = 6,7 Stunden- gekürzt werden. Allerdings müsste das Finanzamt dann einen höheren Ausgleich an den Arbeitnehmer zahlen. Dieses Geld spart der Staat zum Teil aber wiederum am Sozialamt, da es nicht mehr so viele Sozialhilfeempfänger gibt…

4.5 Wer finanziert denn jetzt letztendlich das ganze System?

a) momentan

Die Frage ist doch eigentlich umgekehrt zu stellen: Wer finanziert denn momentan letztendlich die 4,5 (wahrscheinlich sind es deutlich mehr) Millionen Arbeitslosen? Die verbliebene Arbeitszeit wird einfach gerechter verteilt, ebenso die Bruttolöhne. Evtl. bedeutet dies - wenn die Sozialhilfeempfänger voll integriert werden - einen kleinen Verzicht im Nettolohn(, was ich allerdings noch nicht einmal glaube). Aber die Vorteile überwiegen deutlich!


b) künftig

Volkswirtschaftlich gerechnet wird dieses Konzept (11,1% Arbeitslosenquote) dadurch finanziert, dass die Arbeitslosenbeiträge deutlich - um etwa 5,8% des Bruttolohns - gekürzt werden können. Hinzu kommt noch knapp ein Prozent dadurch, dass die Last der Beiträge zu den übrigen Sozialversicherungen sowie Steuern auf mehr Schultern verteilt werden können. "Schlimmstenfalls" wäre also eine Nettolohnkürzung um 7% zu erwarten, realistisch ist aber ein Nettolohnverzicht - unter Einbeziehung sämtlicher Faktoren - bei etwa 3%.

c) Lohnverzicht?

Das hieße in der Praxis, mit den nächsten zwei bis drei tariflichen Gehaltserhöhung wäre dieser Fehlbetrag wieder (fast, evtl. sogar mehr als) ausgeglichen! Um Härten zu vermeiden, könnte auch das Finanzamt im ersten Jahr die vollen 6,75% "subventionieren", holt sich aber über die nächsten drei Jahre verteilt diese mit jeweils 2,25% nach Tariferhöhungen wieder zurück. In der Praxis rechne ich allerdings eher damit, dass diese vorübergehende "Subvention" durch höhere Mehrwertsteuereinnahmen , die durch höheren Konsum (also nicht etwa durch eine Erhöhung des MwSt.-Satzes) entstehen, deutlich und zeitnah ausgeglichen würden.

4.6 Was soll gemacht werden, wenn trotz allen Bemühungen die Arbeitslosigkeit konstant bleibt?

Je nach Ursache hierfür (z.B. bereits vorhandene hohe verdeckte Arbeitslosigkeit, kein Arbeitnehmer möchte weniger arbeiten etc.) muss gezielter aufgeklärt oder aber - evtl. branchenspezifisch - die wöchentliche "empfohlene" Arbeitszeit weiter verkürzt werden.

4.7 Was ist mit dem demographischen Faktor?

Schon seit mehreren Jahren versprechen uns die Demographen deutliche Entlastungen am Arbeitsmarkt einfach nur dadurch, dass mehr Arbeitnehmer aus dem Berufsleben aussteigen, als nachrücken. Dies hat sich nicht bestätigt. Eine Ursache hierfür ist meiner Meinung nach der technische Fortschritt. Immer mehr Arbeiten werden von Maschinen bzw. Computern erledigt, so dass ausscheidende Arbeitnehmer nicht, bzw. nur teilweise ersetzt werden. Tendenziös wird diese Entwicklung so noch lange Zeit weitergehen.
Wer meint, seine Arbeit sei durch Computer nicht zu ersetzen, dem möchte ich nur kurz erzählen, dass die Uni-Klinik Frankfurt vor einigen Jahren einen Operations-Computer angeschafft hat. Dieser ersetzt zwar wahrscheinlich (noch) nicht den Chirurgen, aber der Chirurg wird evtl. mehr Operationen durchführen können. Ergo, irgendwo werden künftig nicht mehr so viele Chirurgen gebraucht. (Glauben Sie, so etwas wäre in der Automechanik, beim Häuserbau sowie vielen, vielen weiteren Gebieten unmöglich?)

4.8 Warum bleiben in dem Konzept 500 000 Arbeitslose trotzdem übrig, obwohl die Arbeitnehmer auf volle 13% Arbeitszeit verzichten?

Dies hat zwei Gründe: zum Einen gibt es natürlich auch weiterhin Firmen, die Mitarbeiter entlassen. Diese sind ja zunächst wahrscheinlich arbeitslos. Zum Anderen stellt diese Zahl ein "Polster" für die verdeckte Arbeitslosigkeit dar.

4.9 Müssen denn dann nicht alle mitmachen, um wirklich die Arbeitslosigkeit abzubauen?

Nein, selbst wenn nur sechs Leute auf jeweils etwa 13% ihrer Arbeitszeit verzichten (entspricht fast vollen sechs Wochen mehr Urlaub, bei "nur" maximal 6,75% weniger Geld), wäre schon wieder ein Arbeitsplatz gerettet/neu entstanden.

4.10 VW hat dieses Prinzip ja versucht. Dies hatte leider die unangenehme Folge, dass die in Wolfsburg ansässigen Bauunternehmen Leute entlassen mussten, da die VW-Mitarbeiter in ihrer Freizeit anfingen, selbst solche Arbeiten auszuführen und somit nicht mehr genug Aufträge bekamen. Schadet das Konzept also auch?

Ja! Es wäre unrealistisch anzunehmen, dass dieses Konzept nur Arbeitsplätze schafft und dies auch noch von heute auf morgen. So hatte ich ja auch schon unter 3.5 angeführt, dass Arbeitsstellen beispielsweise bei den Arbeitsämtern verloren gingen. Aber, Aufgabe der Volkswirtschaft - besser "der Politiker" - ist es meines Erachtens, für den größten Teil der zu dieser Volkswirtschaft gehörenden, den größtmöglichen Wohlstand zu erlangen. Dabei wird es immer Gewinner und Verlierer geben. Um auf das Beispiel VW/Wolfsburg zurück zu kommen, bin ich der festen Überzeugung, dass mehr Menschen ihre Arbeit haben behalten dürfen, als dass Menschen in Bauunternehmen entlassen wurden. Abgesehen davon hätte es im Falle von Entlassungen durchaus so laufen können, dass diese Entlassenen auch direkt oder indirekt in Konkurrenz zu diesen Bauunternehmen getreten wären (evtl. sogar durch Schwarzarbeit), so dass diese Bauunternehmer-Arbeitsplätze - mindestens teilweise - so oder so wahrscheinlich verloren gegangen wären.

4.11 Wie können die Arbeitnehmer und Arbeitgeber bewegt werden, dieses Konzept zu praktizieren?

Zunächst möchte ich ganz strikt festhalten, dass ich folgende Vorschläge nur als vorläufig, keinesfalls als abschließend verstanden haben möchte! Denn diese ändern nichts an der Richtigkeit meines Konzepts. Trotzdem halte ich auch die folgenden Vorschläge für sehr förderlich:

Die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung könnten ja erst ab der 34,8. Stunde fällig werden, dann aber in einer Höhe, dass die Höhe der bisher eingezahlten Beträge mit der 40. Stunde voll errreicht wird. Heißt in unserem Beispiel, dass der Arbeitnehmer sowie der Arbeitgeber (32,50 Euro geteilt durch 5,2 Stunden =) 6,25 Euro für jede Stunde, die über 34,8 Stunden/Woche geleistet wird und zur Auszahlung kommt, zahlen muss - statt wie momentan von der ersten bis zur 40. Stunde konstant (32,50 Euro geteilt durch 40 Stunden =) 0,81 Euro. (Darüber hinaus könnten die Beiträge an die anderen Sozialersicherungen sowie an das Finanzamt ab der 34,8. Stunde entsprechend der auf Grund der Arbeitslosigkeit fehlenden Beiträge an die Sozialversicherungen sowie Finanzamt verdoppelt werden).

Dies hat zum Einen die Auswirkung, dass der Anreiz für den Arbeitnehmer, Überstunden zu leisten, erheblich sinkt, da es sich nicht mehr besonders lohnt, zum Anderen für den Arbeitgeber, dass für diesen die mehr geleisteten Stunden verhältnismäßig teuer werden, weshalb er lieber einen neuen Mitarbeiter einstellt. Dies entspricht dann tatsächlich dem Prinzip der freien Marktwirtschaft: für den Schaden, den ich - durch Mehrarbeit - anrichte, muss ich selbst aufkommen…

Eine weitere (zusätzliche) Idee wäre, dass derjenige Arbeitnehmer, der bereit ist, auf Arbeitszeit (und Lohn) zu verzichten, die Zusage erhält, bei einer dann doch vorhandenen Arbeitslosigkeit doppelt so lange Arbeitslosengeld zu kassieren zu können.

Die volkswirtschaftlich sinnvolle Wochenarbeitszeit würde periodisch ermittelt und automatisch zur gesetzlichen "empfohlenen Normal-Arbeitszeit". Möchte dann ein Arbeitgeber gtrotzdem, dass sein Mitarbeiter länger arbeitet, hätte er dies beim Arbeitnehmer zu beantragen (Umkehrung des bisherigen Prinzips). Darüber hinaus könnte der Arbeitgeber verpflichtet werden, auf dem Lohnstreifen dem Arbeitnehmer den Betrag (als Information) auszuweisen, wie viel dieser bei "Normal-Arbeitszeit" verdient hätte - so lange, bis der Arbeitnehmer diese gesetzliche Arbeitszeit arbeitet.

5 Fazit

Liebe Leserin, lieber Leser,

stellen Sie sich vor, wir hätten den Zustand der Vollbeschäftigung (Gribs-Konzept). Jetzt stelle ich an Sie die Frage, was passieren müsste, um den heutigen - leider der Realität entsprechenden - Zustand zu erreichen.

Im Prinzip müsste ein Verantwortlicher/Macht habender kommen und sagen: " Von jeweils 115 Leuten von Euch sollen 100 statt monatlich (34,8 Std. x 4 Wochen =) 139,2 Stunden künftig (40Std. x 4 Wochen =) 160 Stunden arbeiten, wofür sie pro dieser mehr geleisteten Stunde 1,96 Euro bekommen (also monatlich (1,96 Euro x 20,8 Stunden =) 40,68 Euro). Die restlichen 15 Leute werden gefeuert und werden dafür noch der Faulheit etc. beschuldigt…!" -

Würden Sie solch eine Partei/solche Verantwortlichen bzw. Macht habenden wählen?

Warum tun Sie es dann?

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