Gribs-Konzept

Konzept mit Gribs

Argumente dagegen

3 Argumente dagegen

3.1 Arbeitnehmersicht (Argumente dagegen, aber inkl. der dazugehörigen Antworten)

a) Da die Rente nach dem Bruttoentgelt berechnet wird, heißt das, dass ich (etwas) weniger Rente später zu erwarten habe.
- Stimmt! Aber, zum Einen ist die Rente sowieso nicht so sicher, zum Anderen beträgt die (voraussichtliche) Einbuße maximal 10%. Rein der Wahrscheinlichkeit nach, wird jeder von uns aber einmal arbeitslos, so dass hier dann evtl. sowieso mit einer Renteneinbuße zu rechnen wäre. Außerdem ist hierbei auch der Punkt 2.1 g) zu beachten.

3.2 Arbeitgebersicht (Argumente dagegen, aber inkl. der dazugehörigen Antworten)

a) Unter den Arbeitslosen sind nicht ausreichend qualifizierte Kräfte vorhanden, um die freiwerdenden Stellen zu besetzen.
1. Inzwischen steigt der Anteil der höher- bis hochqualifizierten Arbeitslosen an.

  • 2. Die Unternehmen haben - entgegen ihren Zusagen - jahrelang versäumt, ausreichend Nachwuchskräfte auszubilden. Dieses können/sollten/müssen sie jetzt nachholen.
  • 3. Wenn (beispielsweise) 6 höherqualifizierte (und damit höher bezahlte) Mitarbeiter jeweils etwas über fünf Stunden ihrer (niedriger qualifizierten) Arbeit an den neu Einzustellenden abgeben, braucht dieser eben auch nur niedriger qualifiziert zu sein und dem entsprechend etwas niedriger bezahlt zu werden. Effekt: Der Arbeitgeber erhält die selbe Arbeitsleistung wie vorher, sogar noch etwas billiger! (s. 2.2.b)
  • b) Da der Arbeitnehmer leichter einen alternativen Arbeitsplatz finden kann, fällt ein Disziplinierungsmittel weg. - Stimmt! (Aber: vgl. 2.2.c)

    c) Mehr Beschäftigte im Unternehmen bedeutet, dass das entsprechende Arbeitsumfeld zur Verfügung zu stellen ist, was mit Mehrkosten verbunden ist.

    1. Das stimmt nicht für alle Bereiche. In den meisten Fällen, z.B. im Pflegedienst, Verkauf etc. muss einfach nur die Arbeitszeit neu verteilt werden.
    2. In anderen Bereichen könnte man auch durch Arbeitszeitverteilung
      einiges auffangen, im Übrigen werden diese Mehrkosten durch höhere
      Erträge deutlich kompensiert.
    3. Außerdem besteht ja durch das Teilzeitarbeitsgesetz diese Gefahr sowieso schon. Die Arbeitgeber kommen mit diesem Argument schlichtweg zu spät. Das Konzept schafft nicht die Möglichkeit für den Arbeitnehmer in Teilzeit zu arbeiten, sondern fördert ausdrücklich diese Idee.

    d) Kleinbetriebe mit z. B. nur drei Mitarbeitern können nichts aufteilen, da für einen 4. Mitarbeiter nicht genug Arbeit da wäre.

    - Der Unternehmer könnte z.B. einen Teilzeitarbeitsplatz einrichten.
    Nur ein Beispiel aus der Praxis: im Dez. 2002 hörte ich im Radio einen Bericht über zwei Firmen (soweit ich mich erinnere, in der Nähe von Gießen), die sich ihre Mitarbeiter teilen, morgens sind diese für die eine Firma, mittags für die andere Firma tätig…

    e) Durch die Beschäftigung von mehr Arbeitnehmern entstehen "Reibungsverluste" (Themen müssen übergeben, Arbeit weiter geteilt werden).

    - Diese Reibungsverluste sind zu berechnen und gegebenenfalls auf die künftige Arbeitszeit hinzuzufügen. Diese Reibungsverluste dürften sich aber in einer Größenordnung von zehn Minuten täglich aufhalten. so dass die künftige Arbeitszeit statt bspw. 34,8 Stunden dann 34,9 Stunden wären.


    f
    ) Man hat nur selten genau 6,67 Mitarbeiter, die das gleiche tun, um eben eine sinnvolle (!) neue Stelle zu schaffen.

    - Die Arbeitsplätze sind hinsichtlich ihrer Arbeitszeit "elastisch": Wenn KollegInnen krank werden, in Urlaub gehen etc., macht das Unternehmen ja auch nicht zu. Im Gegenteil, stellt ein Unternehmer eine neue Arbeitskraft ein, so hat er doch gewöhnlich nicht abgewartet, bis genau 40 Stunden neue Arbeit vorhanden ist, sondern das Ganze ist eben "elastisch".

    g) In der Gesamtübersicht ist die vom Arbeitgeber allein zu bezahlende Unfallversicherung nicht enthalten. Diese wird pro Kopf berechnet, würde sich also bei mehr Mitarbeitern erhöhen! - Diese zu zahlenden Beiträge an die Berufsgenossenschaften variieren stark nach Branche. Trotzdem sind das keine Beträge, die im Monat wesentliche Kosten verursachen. Ich bin mir sicher, dass zur Not die Arbeitnehmer diese zusätzlichen Kosten ebenfalls übernehmen würden. (Größenordnung: 1.- bis 10.- Euro zusätzliche Belastung pro Monat). - Falls nicht sowieso die Unfallhäufigkeit insgesamt auf Grund von weniger Stress etc. sogar abnimmt!

    3.3 Arbeitslosensicht (Argumente dagegen, aber inkl. der dazugehörigen Antworten)

    a) Weniger Motivation, neue Arbeit zu finden, da mehr Geld dem Arbeitslosen
    zur Verfügung gestellt wird.
    - Das "zusätzliche" Geld muss ja nicht direkt zur Auszahlung kommen, sondern könnte, statt für den Konsum des Arbeitslosen, genauso gut für sinnvolle(!) fortbildungsmaßnahmen etc. verwendet werden. Hier verweise ich aber darauf, dass es nach Einführung dieses Konzepts kaum noch Langzeitarbeitslose geben dürfte, die Arbeitslosenversicherung wieder die Aufgaben ubernehmen würde, für die sie ursprünglich geschaffen war: Sollte ein Arbeitnehmer - durch welchen Grund auch immer (Rückkehr aus dem Ausland, Insolvenz des bisherigen Arbeitgebers) sich arbeitslos melden, soll das Arbeitslosengeld ein kurzes Überbrückungsgeld darstellen, welches ihm ermöglicht, sich in Ruhe und wohlüberlegt eine neue Arbeitsstelle zu suchen. Die Ursprungsidee war ja nicht diese inzwischen pervertierte haltung einer Reservearmee Arbeitsloser, die zur Abschreckung für die noch Arbeitenden dient, wenn deren Forderung an Beteiligung am Wirtschaftswachstum zu "unverschämt" würde.

    b) Weniger Freizeit
    - Stimmt, ist ja gewollt!

    3.4 Volkswirtschaftliche Sicht (Argumente dagegen, aber inkl. der dazugehörigen Antworten)

    a) Die Betroffenen wissen nicht so richtig, was sie mir ihrer dazu gewonnenen Freizeit anfangen sollen.
    - Das ist momentan bei den Arbeitslosen wohl eher das Problem, da denen für Unternehmungen (und sei es das Lesen von Büchern) das entsprechende Kleingeld fehlt. Im Endeffekt könnte hierdurch bspw. die Freizeitindustrie (durch neue Arbeitsplätze) profitieren.

    b) Die Wirtschaft könnte überhitzen
    - Das könnte tatsächlich ein künftiges, aber deutlich leichter zu lösendes Problem sein.

    c) Es strömen vermehrt Wirtschaftsflüchtlinge in unser Land.

    - Richtig eingesetzt, bedeutet jeder Mensch mehr eine Steigerung des Wohlstandes! - Nicht zu vergessen, dadurch würde in den Herkunftsländern die "Ware" Arbeitskraft ebenfalls teurer und dadurch attraktiver. Im Übrigen: Wenn dieses Konzept Schule macht…

    3.5 Sicht Finanzamt & Sozialversicherungen (Argumente dagegen, aber inkl. der dazugehörigen Antworten)

    a) Höherer Verwaltungsaufwand, das Konzept organisatorisch zu verwalten.
    - Hier könnten die frei werdenden Kapazitäten der Arbeitsämter verwendet werden sowie die der Sozialämter, da durch die geringere Anzahl von Arbeitssuchenden und Sozialhilfeempfängern deutlich weniger Verwaltungsaufwand vorhanden wäre.

    b) In den Arbeitsämtern gehen einige Arbeitsstellen verloren, da nicht
    mehr so viele Arbeitslose zu verwalten sind.
    - Stimmt, aber diese könnten an anderer Stelle (siehe a) eingesetzt werden.

    3.6 Gesamtübersicht (Argumente dagegen, aber inkl. der dazugehörigen Antworten)

    a) Verdeckte Arbeitslosigkeit:

    Durch dieses Konzept verschlanken sich die Betriebe noch weiter und zwar auf
    Kosten der Allgemeinheit.

    1. Bei vielen Arbeitsplätzen wäre dies gar nicht möglich, da bei diesen der Personalschlüssel sich nach der Dauer der Anwesenheit richtet.
    2. Die Betriebe haben sich schon zu einem großen Teil so verschlankt, dass hier kaum noch weiteres Verschlankungs-Potenzial vorhanden ist.
    3. Durch den höheren Konsum werden freie Kapazitäten ausgelastet,
      bzw. es müssen zusätzliche Kapazitäten geschaffen werden.
    4. Sollten alle diese Maßnahmen nicht greifen, könnte die Arbeitszeit weiter verkürzt werden. (s. 4.6)

    Die bereits in Teilzeit beschäftigten werden benachteiligt. - Nein, siehe "Fragen"! (4.3)

    c) Die Betriebe werden einfach mehr (freiwillige) Überstunden arbeiten
    lassen!

    1. Bei vielen Betrieben ist dies nicht möglich, da
      die Betriebsräte vor Ort sich einschalten.
    2. Überstunden, unabhängig ob freiwillig oder gefordert, könnten
      mit deutlich höheren Abgaben belastet werden. (Schließlich sind auch
      auf Grund der geleisteten Überstunden viele Menschen - die Gewerkschaften
      sprechen von 1 Mio. - vom Arbeitsleben ausgeschlossen.)
    3. Zu einer Nachweiseinführung (Bsp.: Stechuhren) über geleistete Arbeitszeit könnte gesetzlich verpflichtet werden. Hierbei ist auch ganz klar zu sagen, dass es sich bei einer Leistung von Überstunden ohne Bezahlung um Sozialversicherungsbetrug handeln würde!

    d) Je niedriger der durchschnittliche Steuersatz unter 41,3% sinkt, desto mehr sinkt das Nettoeinkommen.

    • Der Nettolohn kann (Stand September 2005) maximal um 6,75% (bei 0,00 Euro Steuern) sinken, bei z.B. 10% sinkt er nur noch um 5,85%.
    • Dieser "Verlust" kann zum großen Teil durch eine Umverteilung kompensiert werden, da bei den über 41,3% liegenden netto sogar mehr herauskäme. (Bei einem Durchschnittssteuersatz von 45% wären das - unter Auslassung der Beitragsbemessungsgrenze für die Sozialversicherungen - etwa 1,44% mehr(!) Nettolohn).
    • Natürlich ist dieses Konzept nicht isoliert zu betrachten, so als wäre dies die einzige Maßnahme, die in Deutschland notwendig wäre. Wenn man sieht, wie niedrig die Steuersätze sind, die die Unternehmen hier zahlen (offiziell 40%, tatsächlich um 20% oder weniger), ist ein solcher Einkommensausgleich durch das Finanzamt locker drin!.

    e) Dieses Konzept bedeutet ein Eingriff in die Tarifgestaltung, da die Arbeitnehmer verschiedene Stundenlöhne (momentan: 1 000 Euro für 40 Stunden = 25 Euro Stundenlohn; künftig: 894,66 Euro für 34,8 Stunden = 25,71 Euro) kassieren würden. Sinngemäß gilt das Gleiche bei den Sozialversicherungen.

    - Bei der gesamten Rechnung handelt es sich um eine (stark) vereinfachte Modellrechnung, die sich lediglich als Ziel gesetzt hat zu zeigen, was wäre, wenn man eine Arbeitszeitverkürzung allein zu Lasten des Arbeitnehmers einführt. Wie eine (technische) Umsetzung dieses Konzepts in der Praxis aussehen könnte, ist noch zu klären. Aber an der technischen Umsetzung sollte und braucht dieses Konzept wahrlich nicht scheitern müssen (Hier sei vor allem auf Punkt 4.11 verwiesen! Außerdem darf nicht vergessen werden, dass die Massenarbeitslosigkeit jährlich - über die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung hinaus - mit mehreren Milliarden Euro aus Steuergeldern "subventioniert" wird.).

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